SWOT-Analyse

Methode:

Weltcafe´

Beim  Weltcafé wird in einer entspannten Atmosphäre ein kreativer Prozess in Gang gesetzt, der über mehrere Gesprächsrunden den Austausch von Wissen und Ideen unter den Beteiligten fördert und so zu neuen Erkenntnissen führt. Die Methode ist geeignet, um das Wissen der Beteiligten und deren Perspektiven zu sammeln und sich auszutauschen und um neue Ideen zu entwickeln und Handlungsmöglichkeiten zu finden

Ablauf

In drei aufeinander aufbauenden Gesprächsrunden von je 20-30 Minuten setzen sich 10-15  Personen an einem Tisch mit einem Thema bzw. mit gestellten Fragen auseinander. Die kleine Gruppe eignet sich besonders gut für effiziente Diskussionen. Ihre Ergebnisse werden stichwortartig dokumentiert. Nach der ersten Gesprächsrunde verlassen die TeilnehmerInnen ihren Tisch und mischen sich an anderen Tischen neu. Die TischgastgeberIn bleibt bei allen drei Runden an ihrem Tisch. Sie informiert die neu Ankommenden über  die wesentlichen Ergebnisse der Vorrunden. Die „Reisenden“ tragen die Gedanken weiter. Der Austausch unter allen Beteiligten wird so auf eine sehr dynamische Weise gefördert. In kurzer Zeit können Wissen und Erfahrung jedes Einzelnen einfließen, Anregungen und neue kreative Ideen entstehen.
Nach drei Gesprächsrunden werden an jedem Tisch die wichtigsten Ergebnisse gesammelt und  im Plenum  von den TischgastgeberInnen vorgestellt.

Ergebnisse des Weltcafé

Nachfolgend sind die von den Teilnehmern genannten Einzelpunkte aufgeführt, deren Bedeutung in den Gesprächsrunden aufgeschlüsselt worden sind. Die Inhalte der Diskussionen sind hier  - thematisch geordnet - zusammenfassend dargestellt.

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2.1       Welche Schwächen hat das Kulturleben in Freudenberg?

 

Mangelnde Kommunikation • Fehlende Vernetzung und Wahrnehmung •  Keine Terminabstimmung der Vereine untereinander •  Zu wenig Kooperation • Mangelnde Ansprechbarkeit bei der Stadt Gesamtkümmerer fehlt

Die Arbeit der Vereine im Veranstaltungssegment wird nicht deutlich genug nach außen getragen. Trotz digitalem Veranstaltungskalender auf der Homepage der Stadt und einer

Veranstaltungsübersicht in Papierform, die monatlich überarbeitet und herausgegeben wird, entsteht der Eindruck, dass die vielfältigen Veranstaltungstermine bei den potentiellen Besuchern nicht genug Aufmerksamkeit erlangen. Gezielte Pressearbeit durch die Vereine selbst erfolgt nicht in dem Maße, wie sie erforderlich wäre. Auftritte in den sozialen Netzwerken fehlen, um junges Publikum zu erreichen. Die Kommunikation der Vereine in den Stadtteilen, die meist dörflichen Charakter haben, funktioniert in der Regel problemlos, während die Abstimmung über die Stadtteile hinaus zu wünschen übrig lässt. Der Focus liegt auf der Kulturarbeit im engsten Raum. Man fühlt sich nicht als Teil eines Ganzen. Ein zentraler Ansprechpartner für die Vereine bei der Stadt wird vermisst, der nicht nur die Vereinsarbeit im Veranstaltungssektor koordiniert sondern auch für die Belange der Vereine zuständig ist. Zwar besteht seitens der Kommune das Angebot für die Vereine im Marketing-bereich (Veranstaltungskalender), doch trotz regelmäßiger Bitte um Beteiligung wird diese Möglichkeit nur von wenigen genutzt.

 

Geldmangel • Fehlende Wertschätzung der Kultur als Beitrag zum Stadtmarketing • Fehlende Anerkennung • Mangelnder Dank an das Ehrenamt

Die Kulturbudgets werden immer weiter heruntergefahren. Das führt dazu, dass attraktive Angebote nicht mehr eingekauft werden können und in kleinen Orten auch die Lobby fehlt, für den Erhalt vehement einzutreten. Durch Einsparungen auch im Personalbereich müssen ebenfalls bei Organisation und Durchführung der Veranstaltungen Abstriche gemacht werden. Die Kommunen sind dazu angehalten, sich auf ihre Pflichtaufgaben zu beschränken, zu denen die Kultur nicht zählt. Stadtmarketing im Sinne einer Präsentation der Stadt für die eigenen Bürger bzw. für potentielle Neubürger soll neben dem Angebot an Arbeitsplätzen, Wohnraum und Bildungsmöglichkeiten auch Freizeitangebote wie Sport und Kultur beinhalten. Das Bewusstsein, dass Kultur ein wichtiger Teil des Lebens ist, wird vermisst, ebenso wie die Anerkennung für die meist ehrenamtlich tätigen Kulturschaffenden, die sich in ihrer Freizeit  zum Wohle der Allgemeinheit engagieren.

 

Mangelnde Angebote für Jugendliche • Mangelnde Einbindung Schulen

Junge Menschen für die Kultur zu begeistern, wird als wichtiger Beitrag in der  Kulturentwicklung angesehen. Trotz guter Ansätze, die Jugendlichen als Akteure einzubinden (Freilichtbühne, FRids, Technikmuseum und KulturFlecken) wird die Zielgruppe in den Veranstaltungsangeboten zu wenig berücksichtigt. Die Zusammenarbeit von Kulturträgern und Schulen sollte intensiviert werden.

 

Zustand Alter Flecken • Fehlende Kommunale Zusammenarbeit • Fehlende Weltoffenheit

Der historischen Altstadt wird als Imageträger große Bedeutung beigemessen. Für die Bereiche Kultur und Tourismus wird hier jedoch keine inhaltliche Trennung vollzogen. Inwieweit Kultur im Bereich der Altstadt den Tourismus beeinflusst, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Der Radius für die Durchführung von Veranstaltungen ist eng gesteckt. Schließlich ist die Altstadt vor allem Wohnort und es gilt, die Balance  zwischen den Bedürfnissen der Anwohner auf Privatsphäre und der Altstadt als Veranstaltungsort zu finden. Der Zustand des Stadtkerns in Bezug auf bauliche und pflegerische Mängel wird kritisiert. Die Zusammenarbeit der Stadt mit Nachbarkommunen im Veranstaltungssegment wird vermisst. Das kulturelle Angebot im Allgemeinen wird als eher provinziell wahrgenommen. Es wird zu wenig Neues ausprobiert, um  auch einen anderen Besucherkreis ansprechen zu können.

2.2       Welche Stärken hat das Kulturleben in Freudenberg?

Vereinsarbeit • Ehrenamtliches Engagement durch neue Mitbürger • Chöre • Vielfältiges kirchliches Leben bzw. Angebot •  Freilichtbühne und Technikmuseum •   FRids • KulturFlecken • Kunst/Künstler • Musikschule • Stadtbücherei • Kinder-Kultur: Freizeiten/Ferienspiele •  Kultur für Senioren • Indianerclub, Westernfest • Freibad mit Kultur • Kulturmöglichkeiten durch Sponsoring, Stiftung Gut.für Freudenberg • Städtepartnerschaft Mór

Im gesamten Stadtgebiet wird ein reges Vereinsleben praktiziert. Nicht nur in den größeren Stadtteilen gibt es zahlreiche Vereine und Organisationen; auch in den kleinen Orten wird ehrenamtliches Engagement großgeschrieben. Dies wird auch nicht  eingeschränkt durch die durchaus vorhandenen Nachwuchsprobleme vor allem in der Vorstandsarbeit der Vereine. Gut gelingt die Einbindung neuer Bürger in das Vereinsleben. Dazu trägt sicher auch die überschaubare Größenordnung der Stadt bei.  In einer speziellen Borschüre wird den Neubürgern das städtische Leben in allen Bereichen vorgestellt, so dass für alle Interessierten die nötigen Kontaktinfos abrufbar sind. Als erste Ansprechpartner dienen oft die Heimat- und Verschönerungsvereine, die nahezu in jedem Ort vertreten sind. Für Musikbegeisterte laden zahlreiche Chöre zur Mitarbeit ein. Auch die Kirchengemeinden heißen gerne neue Mitglieder, die sich in den unterschiedlichsten Bereichen engagieren möchten, willkommen.

Im sehr umfangreichen Veranstaltungsangebot setzen die Freilichtbühne Freudenberg,  das Technikmuseum, der KulturFlecken Silberstern und die FRids (Freudenberger Kids) besondere Akzente. Durch eine sich bereits im Aufbau befindende intensive Zusammenarbeit zwischen diesen Kulturträgern entstehen ganz neue Veranstaltungen, die auch über das Stadtgebiet hinaus Beachtung finden. Und von dieser Kooperation profitieren vor allem Kinder und Jugendliche, da die Kulturarbeit mit und für diese Zielgruppe wichtiger Teil der Vereinsaktivitäten ist.

In der Stadt gibt es eine starke Künstlerkolonie, die mit Sonderausstellungen, begehbarem Adventskalender und vielen interessanten Aktionen das Veranstaltungsangebot bereichert.

Ein wichtiger Beitrag der Stadt zur Förderung der Kulturarbeit für Jugendliche ist die Musikschule, die mit ihren rund 350 Schülern nach ihrem Umzug in das Gebäude an der Schulstraße gute Bedingungen vorfindet. Ebenfalls im städtischen Angebot befindet sich die Stadtbücherei          im KulTourBackes, die in ihrer Kinderabteilung ein umfangreiches Medienangebot vorhält. Gruppenführungen für Kindergärten und Schulen sowie regelmäßige Vorle-sestunden runden das Angebot ab. Ein weiteres städtisches Angebot sind die Ferienspiele der Stadtjugendpflege, die mit Freizeiten, Ausflügen und Aktionen in Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen stets regen Zuspruch finden.

Auch für die Senioren erweitert sich das Angebot zunehmend. So gibt es im KulTourBackes in der Bücherei ein reichhaltiges Medienangebot, natürlich nicht nur für ältere Leser, aber natürlich auch für diese. Autorenlesungen, Literaturcafé, Computer- und Sprachkurse sowie Informationsveranstaltungen runden das Angebot speziell für die ältere Generation ab.           

Im Sponsoring werden die Aktivitäten von Handel, Gewerbe und Dienstleistungsbereich  positiv wahrgenommen. Vorreiterstellung hat hier die Stiftung Gut.für Freudenberg, die sich in unterschiedlichsten Sparten engagiert.            

Einen wesentlichen und vielbeachteten Part im Kulturleben der Stadt finden die Feste sowohl im Stadtkern als auch in den Stadtteilen. Altstadtfest, Mittelaltermarkt, Weihnachtsmarkt und Backesfeste sind als Termine im jährlichen Veranstaltungsreigen gesetzt, die niemand vermissen möchte.

Seit einiger Zeit gibt es im Stadtteil Bühl einen Indianerclub mit Westernfesten und anderen Aktionen, die über die Region hinaus Beachtung finden.  

Das Freibad wird in Verbindung mit (möglichen)kulturellen Veranstaltungen genannt, aber darauf liegt in dieser Einrichtung der Fokus (noch) nicht.

Innerhalb der Städtepartnerschaft erfolgen regelmäßige gegenseitige Besuche, besonders zu Jubiläen oder anderen Veranstaltungen, die für die jeweiligen Gäste ein schönes Erlebnis darstellen. Des Weiteren wird ein Jugendaustausch praktiziert. Private Freundschaften sind im Laufe der Jahre entstanden. Damit verbunden sind das Kennenlernen und Erleben der jeweils anderen Kultur. 

„Alter Flecken“ • Historische Bausubstanz/Baudenkmäler • Image • Hauberg  • Kultur-Wandern: „Wilder Mann“, „Jakobsweg“, „Oranierroute“, Radweg • Gute Erreichbarkeit in beide Richtungen mit Auto

Dem hist. Stadtkern „Alter Flecken“ wird, wie bereits an anderer Stelle erwähnt, eine große Bedeutung beigemessen, die nicht nur den Tourismus sondern auch die Kultur einbezieht. Als Kulisse für Veranstaltungen wie Mittelalter- oder Weihnachtsmarkt ist die Altstadt ein wichtiger Imageträger über die Region hinaus. Daneben gibt es in den Ortsteilen ebenfalls sehenswerte Baudenkmäler wie historische Fachwerkhäuser oder Kirchen. Dem trägt auch der Qualitätswanderweg Fachwerkweg „Wilder Mann“ Rechnung, der neben einigen Objekten an der Strecke selbst den Bezug zum Fachwerk auch durch die Streckenführung durch einige Orte herstellt.  Jakobsweg und Oranierroute bieten ebenfalls die Verbindung von Natur und Kultur. Der Abschnitt des Radweges durch Freudenberg hat eher historische als kulturelle Bedeutung, da er auf einer früheren Eisenbahntrasse angelegt ist und auch den Eisebahntunnel mit einbezieht.

Durch die zentrale Lage der Stadt und die Nähe der Autobahn mit eigener Abfahrt ist eine zügige Erreichbarkeit für Besucher aus den Zentren in NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen gegeben.

Der Hauberg als eine für das Siegerland typische genossenschaftliche Waldbewirtschaftung hat kulturhistorische Bedeutung. Während früher ganze Wirtschaftszweige mit dem Hauberg verbunden waren, dient er heute vor allem zur Brennholzgewinnung. In Museen, Ausstellungen und Projekten kann diese Form der Waldbewirtschaftung lebendig gehalten werden.

2.3       Welche Chancen können wir bei der Kulturentwicklung nutzen?

 Vereinsvielfalt • Große Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement • Viele kulturell versierte, engagierte Einzelpersonen • Kooperationen – gemischte       Angebote • Öffentlichkeitsarbeit forcieren • Darstellung der kulturellen Angebote in den neuen Medien • Vernetzung

Die Begriffe aus dem Thema „Stärken“ wiederholen sich zum Teil in diesem Abschnitt. Dies macht klar, dass Stärken gestärkt werden sollten und damit  Chancen zur Weiterentwicklung bieten. Die vielfältigen Vereine bilden das Fundament und bleiben lebendig durch die große Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement. Trotz der verhaltenen Mitwirkung der jüngeren Generation sind Personen in den mittleren und älteren Jahren nach wie vor bereit, sich zu engagieren. In dieser Gruppe sind auch Persönlichkeiten zu finden, die Vorbild sind in ihrem Einsatz und Wirken und Zeichen setzen. Neben dem in den Vereinen organisierten Personenkreis findet sich in Freudenberg auch eine starke Gruppe an kulturell versierten, engagierten Einzelpersonen.

Die Bereitschaft zu Kooperationen, die in den letzten Jahren gewachsen ist, soll weiter ausgebaut werden. Dadurch können viele Ideen auch für außergewöhnliche Projekte entstehen, die nur durch das Miteinander vieler Akteure möglich sind.

Jede Veranstaltung braucht Öffentlichkeit. Um im großen Reigen der Anbieter Aufmerksamkeit und Beachtung zu finden, bedarf es heute vieler Schritte. Daher hat das richtige Marketing zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dies muss ausgebaut werden. Neben der üblichen Pressearbeit sind die neuen Netzwerke mit einzubeziehen, um auch das jüngere Publikum zu erreichen. Öffentlichkeitsarbeit braucht aber nicht nur Zeit sondern auch Kenntnis über die zur Verfügung stehenden Werkzeuge. Diese Chance sollten die Vereine nutzen und bei Bedarf Unterstützung z.B. durch Schulungen anfordern (der Kreis Siegen-Wittgenstein hat sich dieser Thematik bereits angenommen und bietet Kurse für Ehrenamtler an).

Altstadt als Kulturwerkstatt • Viele schöne Orte für kulturelle Veranstaltungen •Zentraler Veranstaltungsraum am Marktplatz • Schöne Landschaft • Sehenswürdigkeiten

Die Altstadt als Veranstaltungsort für die unterschiedlichsten Aktionen zu etablieren, ist ein großes Anliegen. Attraktive Veranstaltungsorte sind z.B. das Technikmuseum,  einige sehr schöne Kirchen, die Villa Bubenzer, der KulturFlecken Silberstern, der KulTourBackes, das Stadtmuseum und im Outdoor-Bereich die Freilichtbühne, der Kurpark, der Schloßberg. Ein  zentraler Veranstaltungsort in Nähe der Altstadt, in dem auch größere Veranstaltungen, z.B. Theater oder Konzerte angeboten werden können, wird als wichtiges Ziel genannt.  Dieses Haus sollte der zentrale Begegnungsort für vielerlei kulturelle Aktivitäten sein, wie es in den Stadtteilen die Dorfgemeinschaftshäuser sind, die mittlerweile den Dreh- und Angelpunkt des dörflichen Lebens bilden. In Verbindung mit dem Marktplatz wären kombinierte In- und Outdoor-Veranstaltungen durchführbar.

Auch die schöne Landschaft und die zahlreichen Sehenswürdigkeiten können in in das kulturelle Leben integriert werden. So werden Themenwanderungen als gute Möglichkeit angesehen, aktive Betätigung mit Infos zu Geschichte, Natur und Kultur zu kombinieren. Denkbar sind auch Open-Air-Veranstaltungen/Projekte zu kulturhistorischen Themen (zB Hauberg, Bergbau, Kelten, etc.)

 

Schule als kulturelle Bildungsstätte • Nähe zur Universität • Technische Weiterentwicklung • Überörtliche Kooperationen • Geographische Lage • Investitionswillige Wirtschaft • Gelockerter Umgang mit baurechtlichen Auflagen im Denkmalbereich für gewerblichen Nutzen • Identifikation mit Gesamt-Freudenberg • Bewusstsein schaffen für vorhandene Dinge

Die Kontakte zwischen Kulturtreibenden und den Schulen sollen intensiviert werden. Erste Ansätze sind vielversprechend. Eine Zusammenarbeit von Kulturträgern über die Grenzen des eigenen Ortes hinaus machen ein breiteres Publikum auf die Veranstaltungen aufmerksam und bieten die Möglichkeit, viele kleine Budgets zu einem großen zusammenzufassen und dementsprechend auch attraktivere Events wie Konzerte mit renommierten Künstlern oder etablierte Theaterproduktionen anbieten zu können. Sich über die eigenen Stärken bewusst zu sein, ist hierfür Voraussetzung, damit nicht der Eindruck entsteht, man habe nichts anzubieten und kein Gewicht in einer möglichen Kooperation. Identifikation mit der Stadt einschl. ihrer Stadtteile ist Grundlage für eine Weiterentwicklung der gemeinsamen Kultur, die nur funktionieren kann, wenn sich möglichst viele und unterschiedliche Akteure einbringen. 

Dazu gehört auch, die heimische Wirtschaft mit einzubeziehen. Dieser ist es wichtig, Arbeitnehmer an einen attraktiven Standort zu binden, der nicht nur berufliche Chancen sondern auch interessante Freizeitgestaltung anbietet. Sponsoring ist in Zeiten knapper Budgets mehr denn je erforderlich.

Ein gelockerter Umgang mit baurechtlichen Auflagen im Denkmalbereich könnte vor allem  im historischen Stadtkern die Möglichkeit zur gewerblichen Nutzung vereinfachen. Gerade die kleinen Räumlichkeiten sind ideal für Waren aus dem Kunst- und Kreativbereich und bieten ein stimmiges Ambiente für Ausstellungen o.ä. Hinzu müssten dann noch einsichtige Vermieter kommen, die bezahlbare Mieten und akzeptierbare Bedingungen schaffen, um einem Gewerbetreibenden den Start zu ermöglichen. Diese Chance auf eine Belebung der Altstadt, die auch den kulturellen Aktivitäten nutzen würde, sollte ergriffen werden.

 

2.4       Welche Risiken müssen wir bei der Kulturplanung beachten?  

Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitarbeit • Überalterung und Wegfall von Akteuren •Kirchturmdenken, mangelnde Identifikation •  Provinzialität • Zu wenig Vernetzung/Koordination • Veränderte Kommunikationswege Entscheider haben zu wenig Wissen • Richtige Bedarfsbeurteilung •Klientelpolitik • Überreglementierung • Finanzielle Möglichkeiten

Die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitarbeit ist vor allem bei Personen aus den mittleren und älteren Jahrgängen vorhanden, zumal viele nach Eintritt ins Rentenalter noch eine sinnvolle Beschäftigung suchen. Bei der jüngeren Generation stehen Beruf und Familie im Vordergrund und es bleibt meist nicht genug Zeit für ein Ehrenamt. Dies ist für die Zukunft der Vereine problematisch. Da viele Arbeitnehmer mobil sein müssen und ihren Arbeitsplatz oft fern vom Wohnort haben, fehlen ihnen Gelegenheiten, private Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Dies kann dazu führen, dass man sich mit dem Ort nicht identifiziert.

Kirchtumdenken behindert nicht nur die Entfaltung des kulturellen Schaffens sondern beeinträchtigt auch die Kommunikationsfähigkeit bzw. sieht die Notwendigkeit erst gar nicht, mit dem Umfeld in Kontakt zu treten. Der Wille zur Koordination ist eingeschränkt, da die Sicht nur auf das eigene Tun gerichtet ist.

Personen, die in Vorständen oder Gremien über die kulturellen Aktivitäten entscheiden, fehlen oftmals genügende Informationen als Grundlage für Ihre Beschlüsse. Das kann zu Entscheidungen an den tatsächlichen Bedürfnissen vorbei führen. Es ist wichtig zu wissen, welche Art von Kultur nachgefragt ist und welche Zielgruppe man bedienen möchte. Ebenso ist die Verhältnismäßigkeit von einzusetzenden Mitteln zu dem Ergebnis zu beachten.  Zwar beleben Nischen-Programme das Kulturangebot, finden aber oft nur eingeschränkte Resonanz. Es sollte daher klar formuliert werden, welche Ziele die Kulturarbeit verfolgt und wie das zur Verfügung stehende Budget am effektivsten eingesetzt werden kann. Die Bevorzugung von einzelnen Vereinen oder Gruppen muss unbedingt ausgeschlossen werden.

Ebenso darf eine zu große Einflussnahme in die internen Entscheidungen der Kulturträger nicht erfolgen, damit kein Eindruck einer Bevormundung entsteht.

 Nichtausnutzen vorhandener Möglichkeiten • Unscharfe Definition • Kein Alleinstellungsmerkmal •Zu hohe Erwartungen – Qualität •Keine zielgruppengerechte Ansprache •Tendenz zum Schlechtreden •Allgemeine Risiken Weltwirtschaft

Oftmals sind den Akteuren die Möglichkeiten vor Ort nicht bewusst und die Tendenz, das heimische Angebot herunterzuspielen bzw. es gar nicht wahrzunehmen, scheint Siegerländer Mentalität zu sein. Außenstehende haben manchmal einen anderen Betrachtungswinkel und können wertvolle Tipps geben. Die Gestaltung der Kultur darf nicht unter zu hohen Erwartungen stehen. Macher und Nutznießer sollten über ein realistisches Bewusstsein für die eigenen Möglichkeiten und die Gegebenheiten vor Ort verfügen, danach agieren und beurteilen. Ein Alleinstellungsmerkmal im kulturellen Bereich zu finden, wie es die großen Städte mit ihren Musicals, Museen und Theatern haben, ist für eine Stadt von der Größenordnung Freudenbergs nicht realistisch, obwohl mit Freilichtbühne und Technikmuseum schon zwei Kulturträger über die Region hinaus agieren.  Man sollte sich auf Machbares konzentrieren und hierfür gezielt um Publikum werben.  

Für alle Kulturschaffenden ist die Finanzierung ein wiederkehrendes Thema. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten muss um jede Unterstützung doppelt gekämpft werden. Budgets werden gekürzt oder ganz gestrichen und die Bevölkerung schränkt ihre Ausgaben für kulturelle Veranstaltungen ein.  

 

TOP 3            Zusammenfassung  

Nach Beendigung der Gesprächsrunden in den vier Arbeitsgruppen werden die gesammelten Ergebnisse dem Plenum vorgestellt. Die Teilnehmer äußern sich positiv über die Verfahrensweise des Weltcafé, in der sowohl die bereits vorhandenen Möglichkeiten deutlich aufgezeigt und die gewünschten Ziele formuliert werden konnten. So sind die Themen ins Bewusstsein gebracht worden, mit denen sich alle Kulturschaffenden immer wieder konfrontiert sehen.

Bürgermeister Günther bedankte sich für die lebhaften Diskussionen und erhofft sich auch für die kommenden Veranstaltungen eine rege Beteiligung.  

 

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